ArchivNorm DIN ISO 16245

 

Wichtig zu wissen

DIN ISO 9706

DIN ISO 16245
für Mappen und Umschläge

DIN ISO 16245-A
für Boxen, Schachteln und Archivkartons

Richtige und verantwortungsbewusste Entscheidungen bei der Produktwahl sind wichtig. Gerne möchten wir Ihnen nachfolgend aus unserer Sicht einige kurze fachliche Hinweise geben.

Vorab: Alle Verpackungen aus sogenannter Graupappe - auch gepufferte und damit angeblich säurefreie Graupappe - zum Beispiel „ARCHIV-BOARD-CLASSIC“, können nach eingehenden Test- und Prüfverfahren die Anforderungen an eine Verpackung von Archivgut in der Langzeitarchivierung nicht erfüllen und eignen sich nur für mittlere Aufbewahrung.

DIN ISO 9706
Die seit vielen Jahren herangezogene und international be- währte Norm „9706“ gilt weiterhin selbstverständlich für Papier bis 240 g/qm und kann für stärkere Materialien nur mit Zusätzen und hilfsweise mit der Formulierung „in Anlehnung...“ benutzt werden, was gängiger Praxis entspricht.

Die ArchivNorm DIN ISO 16245 zielt in die richtige Richtung, setzt Maßstäbe zur Beurteilung einer geeigneten Archivverpackung und hat wichtige Anforderungen aus der DIN ISO 9706 übernommen. ( Kappawert max. 5, pH-Wert 7,5 -10, Pufferung min. 2% (alkalische Reserve) usw.) Diese Werte stellen sicher, dass in den verwendeten Materialien keine Bestandteile enthalten sind, die das einzulagernde Archivgut schädigen können.

Leider unterscheidet die neue Norm in drei Kategorien und schafft damit einige Verwirrung:

1.) DIN ISO 16 245 (ohne Zusatz !) nur für Archivmappen und Umschläge.
2.) DIN ISO 16245-A für Archivboxen, Schachteln und Archivkartons. Und um die Verwirrung komplett zu machen leider noch
3.) ArchivNorm 16245-B.

Unser Hinweis:
Vorsicht ! DIN ISO „16245 - B“ (für Boxen und Schachteln)

Die in der Norm beschriebene Version „16245 - B“ ist mehr als skeptisch zu betrachten. In der Beschreibung wird für Pappe „Typ B“ keine Beschränkung des Kappawertes ge- setzt! Alle anderen in der Norm geforderten Punkte sollen jedoch wie bei DIN ISO 16245-A erfüllt sein. Das ist die Quadratur des Kreises ! Ein hoher Kappawert verschafft Herstel- lern wohl eine billige (weil schlechtere) Pappe, er verhindert jedoch üblicherweise die Erfüllung der anderen, in der Archiv-Norm geforderten Kriterien.

Die Erfüllung der DIN ISO 16245-B ist damit faktisch nicht möglich. Hier bekommt der Archivar einen Archivkarton der - wenn auch mit hochwertigen Einlegemappen ausgestattet - dem Archivgut schadet und daher nur für kurze Aufbewahrungsfristen geeignet ist.

In der ArchivNorm 16245-A sind neue Anforderungen ent- halten, die zum Teil sehr gut sind, teilweise aber auch kritisch betrachtet werden müssen und in diesen Punkten dringend einer Überarbeitung bedürfen.

Drei Beispiele:

„Material darf nicht ausblutend bzw. abfärbend sein“. Nach den Erfahrungen mit Wasserschäden in Archiven und deren Folgen, verdient dieser Punkt bei der Beschaffung von Archivverpackungen besondere Beachtung und ist eine ausgesprochen gute und notwendige neue Anforderung.

„Mechanische Verbindungselemente wie Nieten und Klammern sollten in der Herstellung von Archivkartons vermieden werden“. Eine durchaus positive Forderung. An dieser Stelle hätte man jedoch besser differenzieren sollen! Geklammerte Kartons (Edelstahlklammern aus V2A) sind durchaus archivgerecht. Bei Nieten ist die Sachlage eine andere. Es gibt marktüblich keine Nieten aus Edelstahl. Dem- nach verfehlen Nietverbindungen die Ziele der Langzeitarchivierung und so den Sinn einer teuren Umhüllung, weshalb wir davon abraten.

Festigkeit (Stauchtest) - Hier ist die „Sinn-Frage“ zu stellen. „Eine Archivschachtel muss einem Druck von
20 kPa standhalten“. Warum ? Ein Karton im Format 350 x 250 x 110 mm muss demnach eine Last von 175 kg tragen können! (Stapeln Archivare 30 Kartons übereinander?) Der Last einer einstürzenden Betondecke würden sie dennoch nicht standhalten! Allerdings bestehen die meisten Archivkartons ohnehin den Stauchtest.

Wir begrüßen die neue ArchivNorm in vielen Punkten. Den- noch bleiben eine Reihe von Fragen offen - bis hin zu Merkwürdigkeiten die nicht in eine Norm gehören.

Unser Fazit: Überarbeitung der Norm dringend nötig!